Die Theorie hinter FrontRead

Die große Menge an Informationen, der wir täglich begegnen, stellt auch große Anforderungen an uns als Leser. Es kann schwer sein, das alles zu bewältigen. Aber wir können alle unsere Lesefertigkeiten verbessern und dadurch schnellere und bessere Leser werden.

FrontReads einzigartiges Lesetraining wurde vor dem Hintergrund von umfassendem Wissen sowohl über Lesen als auch über das Lernen bei erwachsenen Lesern in den letzten 25 Jahre entwickelt. Unsere App und unsere Lehrmethoden basieren auf Theorien und Untersuchungen von z.B. Peripherielesen, der Spannweite der Augen und des Lesegedächtnisses.

In der Geschichte der Menschheit ist das Lesen eine noch recht junge Fähigkeit, die fortwährend weiterentwickelt wird. Die Menge des Lesestoffs wächst, deshalb ist differenziertes Lesen notwendig. Gleichzeitig erfahren wir laufend mehr über das menschliche Gehirn. Der amerikanische Nobelpreisträger für Psychologie Professor Roger Sperry bekam diesen 1981. Durch seine Forschungen weiß man heute, dass das obere Gehirn sich in die rechte und linke Hirnhälfte unterteilt und beide jeweils unterschiedliche Funktionen haben. Unsere Fähigkeiten lassen sich in verschiedenen Regionen des Gehirns lokalisieren, daher kann man durchaus von einer Arbeitsteilung der beiden Hirnhälften sprechen.

Die Hirnforschung präsentiert laufend neue Erkenntnisse, aber es gibt noch immer sehr viel, das wir nicht wissen. Jedoch können wir eines mit Sicherheit sagen: Wenn wir unsere mentalen Fähigkeiten optimal nutzen wollen, dann müssen wir uns beider Hirnhälften bedienen – auch beim Lesen.
Ein großer Teil unserer Lesegeschwindigkeit resultiert aus unseren Augen und der Tatsache, dass wir mit einer inneren Stimme lesen, die uns quasi die Worte im Kopf vorsagt. Dadurch senkt sich unsere aktive Lesegeschwindigkeit.

Die Augenspannweite ist ausschlaggebend

Selbst der schnellste Redner kann nur schwer mehr als 260 Worte die Minute sprechen. Aber das Gehirn kann problemlos mit 500-800 Worten die Minute arbeiten. Das erfordert jedoch, dass wir verstärkt das visuelle Zentrum der rechten Hirnhälfte nutzen. FrontReads Training setzt genau hier an. Sie lernen verstärkt die rechte Hirnhälfte zu nutzen und die innere Stimme zu dämpfen, die sich in der linken Hirnhälfte befindet. Wenn wir zum Beispiel die Augenspannweite um nur einen Buchstaben erweitern, können wir damit die Lesegeschwindigkeit um bis zu 39% erhöhen *

BU C H S T A B E
BUCH STABE
BUCHSTABE
3-4 Worte
GANZER SATZ

Die obenstehenden Beispiele zeigen, wie man die Augenspannweite vergrößern kann. Auf diese Weise wird die Fähigkeit des Auges erhöht, mehr Informationen auf ein Mal aufnehmen zu können. Damit lassen sich größere Sinnzusammenhänge erfassen und die Bedeutung eines Textes erschließt sich schneller.

Die Augenspannweite bildet den Flaschenhals, wenn es um Lesegeschwindigkeit geht. Zu diesem Ergebnis kommen die amerikanischen Professoren für Psychologie und Optometrie Gordon Ernest Legge* und Susana T.L. Chung*. Sie haben durch verschiedene Studien* nachgewiesen, dass es möglich ist die Lesegeschwindigkeit zu erhöhen, wenn man die Spannweite der Augen trainiert. Chung fand heraus, dass die Augenspannweite durch Training mit Buchstabenwiedererkennung erhöht werden kann. Sie kam zu dem Ergebnis, dass durch ein solches Training ebenfalls ein besseres Textverständnis und damit ein besseres Erinnern des Gelesenen möglich ist.

Die holistische Theorie

Eine der meist anerkannten Theorien im Zusammenhang mit Lesen ist die holistische Theorie. „Holismus“ bedeutet, dass man die Gesamtheit für wichtiger hält, als die Teile, die diese Gesamtheit bilden. Das bedeutet dann auch, dass die einzelnen Teile besser zu verstehen sind, wenn die Gesamtheit verstanden wird.

Goodman* vertritt die Theorie, wenn ein Erwachsener liest, dann spiele sein Bewusstsein (psycholinguistisches) Raten mit dem Text. Das Bewusstsein hat bestimmte Erwartungen an das, was im Text steht. Und beim Lesen, sucht dann das Bewusstsein nach wichtigen Wörtern – Sinnschlüsseln – die diese Erwartungen be- oder entkräften.

  1. Das Erste, was beim Lesen eines neuen Textes passiert, ist, dass Sie ich einen visuellen ersten Eindruck verschaffen. Sie sehen den Text durch, schauen sich Inhaltsverzeichnis, Zusammenfassungen, Ergebnisse an usw. Schon hier beginnen Sie den Text zu beurteilen.
  2. Während Sie lesen, suchen Sie dauernd nach markanten Worten (Sinnschlüsseln), die das Bewusstsein braucht, um zu erraten, was im gesamten Text steht.
  3. Welche Sinnschlüssel Sie auswählen, hängt von Ihren Erwartungen und Ihrem Vorwissen ab. Wenn Sie beispielsweise einen Text übers Fahrrad flicken lesen sollen, haben Sie vielleicht gerade neue Reifenheber gekauft. Die Augen suchen daher nach einem Wort wie „Reifenheber“, weil das Bewusstsein eine Erklärung erwartet, wie man dieses Werkzeug benutzt. Vielleicht haben Sie noch nie zuvor von Reifenhebern gehört. Dann wird das Bewusstsein z.B wissen wollen, wie Sie die Mäntel abnehmen. Und darum sucht es vermutlich eher nach dem Begriff „Mäntel abnehmen“.
  4. Wenn Sie Ihre Sinnschlüssel gefunden haben, stellt das Gehirn Vermutungen über den weiteren Inhalt des Textes an. Wenn Sie z.B. wissen möchten, wie Sie ein Loch im Schlauch finden, sucht das Bewusstsein nach dem Sinnschlüssel „Loch finden“ oder „Reifen aufpumpen“, „Rad drehen“ oder „pfeifen“.
  5. Von diesen Sinnschlüsseln ausgehend entschlüsselt das Gehirn nach und nach, dass der Satz tatsächlich lautet: „Sie finden das Loch im Schlauch, indem Sie den Schlauch aufpumpen, das Rad langsam drehen bis Sie ein leises zischendes Geräusch hören“
  6. Während des Lesens kontrolliert das Bewusstsein die ganze Zeit, ob die Sinnschlüssel zum Verstehen des Textinhaltes beitragen.
  7. Dabei kontrolliert das Bewusstsein gleichzeitig die Wortzusammensetzung. Beim Lesen einer Fremdsprache kann eventuell sogar gleichzeitig die Aussprache mit kontrolliert werden. Beim Korrekturlesen ist es ebenfalls das Lesebewusstsein, das genutzt wird. Sind es unsere eigenen Texte, die wir Korrekturlesen, ist es manchmal schwer Schreib- und Tastfehler zu erkennen, da wir im Vorfeld mit bestimmten Erwartungen und Wissen daran gehen, was im Text stehen soll.
  8. Durch das Lesen von Texten werden unsere Erwartungen justiert. Beim Erneuern unserer Meinung führt uns das zu neuem Wissen.

Indem wir schneller und konzentrierter Lesen, aktivieren wir unser Unterbewusstsein.

Über die bewussten Gehirnfunktionen hinaus werden unterbewusst Sinneseindrücke bearbeitet – auch während des Lesens. Unser Unterbewusstsein oder unsere unbewusste Intelligenz hilft uns zu assoziieren und bewusst den Text zu beurteilen. Im Gegensatz zu der bewussten Ebene, können wir durch unsere „subliminale Perzeption“ (unter der Bewusstseinsschwelle) pro Sekunde viele Informationen zusätzlich aufnehmen. Mit anderen Worten es findet während des Lesens ein Austausch zwischen dem Bewussten und dem Unbewussten statt.

 


  • * Mikkel Wallentin, Cand. mag. i dramaturgi og kognitiv semiotik, ph.d., dansk forfatter og hjerneforsker
    * Gordon E. Legge, Distinguished McKnight University Professor ved Minnesota Universitets afdeling for Psykologi og bestyrer for Minnesota Laboratory for Low-Vision Research
    * Susana T.L. Chung, Professor i Optometri ved Berkely University i Californien 
    * Chung STL, Legge GE, Cheung SH. Letter-recognition and reading speed in peripheral vision benefit from perceptual learning. Vision Res 2004; 44(7): 695-709
    * Kenneth S. Goodmann (Professor Emeritus, Language Reading and Culture, at the University of Arizona). En af de kendteste forskere inden for holistisk læseteori.